Freibeuter überraschen in der Höhle der Löwen
Buchloer Piraten erbeuten nach leidenschaftlichem Auftritt alle drei Punkte beim Tabellenzweiten in Amberg
Amberg/Buchloe (chs) Starker und abgezockter Auftritt des ESV Buchloe am Freitagabend in Amberg: Denn beim bisherigen Überraschungsteam der Liga, den zweitplatzierten Ambergern, ließen sich die Pirates auch nach einem bitteren Kaltstart in Form eines 0:2 Rückstands nicht aus dem Konzept bringen, sondern drehten das Match vor über 900 Zuschauern in einen am Ende nicht unverdienten Auswärtssieg. Mit 5:4 (2:2, 2:1, 1:1) behielten die Gennachstädter bei einem der Angstgegner der letzten Jahre die Oberhand, weil man an diesem Abend viel richtig machte: Man zeigte Comeback-Qualitäten, bestach durch hervorragende Special-Teams und nicht zuletzt war die mannschaftliche Geschlossenheit der leidenschaftlich kämpfenden Piraten mit ein entscheidender Schlüssel, dass man an diesem Abend alle drei Zähler mit auf die weite Heimreise nehmen konnte.
Danach hatte es nach gut 10 Minuten im ersten Abschnitt allerdings noch überhaupt nicht ausgesehen. Immerhin erwischten die Hausherren, die bisher nur ein einziges Spiel verloren hatten und zu Hause sogar noch komplett ungeschlagen waren, einen Bilderbuchstart. Denn obwohl die Buchloer bereits nach wenigen Sekunden die erste ganz dicke Möglichkeit auf die Führung hatten, war es der zuletzt in bestechender Form agierende Jakub Bitomsky, der den ERSC nach gerade einmal 65 Sekunden in Front brachte. Beide Teams versuchten zunächst schnell umzuschalten, wodurch sich immer wieder gefährliche Aktionen entwickelten. Erfolgreich dabei waren aber anschließend wieder nur die Gastgeber, die abermals durch Bitomsky nachlegten, der mit seinem zehnten Saisontreffer nach elf Minuten auf 0:2 erhöhte. Erst gegen Drittelende kamen dann auch die Freibeuter wieder besser ins Spiel, nachdem man die „Bus-Beine“ der langen Anfahrt offenbar endlich rausgelaufen hatte. Noch vor der Pause gelang dem ESV nämlich tatsächlich das starke und wichtige Comeback zum 2:2 Ausgleich. Erst beförderte Marc Krammer nach energischer Vorarbeit von Michal Telesz wohl noch irgendwie die Scheibe zum 1:2 Anschluss über die Linie (19.). Und nur acht Sekunden vor der Pause markierte Emil Gabrielson in Unterzahl sogar das 2:2 (20.). „Da haben wir uns gut zurück gearbeitet, was nicht einfach war“, lobte ESV-Trainer Dominic Weis seine Schützlinge, die sich nach den frühen Rückschlägen im immer unangenehm zu spielenden Amberger Stadion also noch vor der Pause mit dem Ausgleich belohnten.
Ein vielleicht zu diesem Zeitpunkt noch etwas glückliches Ergebnis, dass sich die Buchloer im Mittelabschnitt dann aber immer mehr verdienten und sogar mit der Führung ausbauen konnten. Und dabei kam eine weitere Stärke an diesem Abend zum Tragen, nämlich ein extrem effektives Powerplay. Denn alle drei Überzahlspiele der Partie konnten die Buchloer letztlich in Tore ummünzen – so auch das 3:2 durch Nils Asner, der die Begegnung also endgültig drehte (24.). Nur Momente später hätte Mateo Cabral sogar fast das 4:2 nachgelegt, doch David Kubik – Ambergs Schlussmann – reagierte mit dem Schoner überragend. Ohnehin: Beide Torhüter erwischten angesichts der Vielzahl an Chancen beider Teams einen bärenstarken Abend, weshalb sich auch ESV-Keeper Anton Brandt immer wieder als verlässlicher Rückhalt auszeichnen konnte. Letztlich präsentierten sich die Piraten in diesem Abschnitt jedoch als die clevere Mannschaft, was sich dann erneut durch ein Powerplaytor von Nicolas Strodel zum 4:2 auch auf der Anzeigentafel niederschlug (35.). Aber noch gab sich der Tabellenzweite nicht geschlagen und verkürzte prompt nach einer Auszeit keine Zeigerumdrehung später durch Kevin Schmitt wieder auf 4:3 (36.).
Mit diesem engen Resultat ging es auch in den finalen Durchgang, in dem die Amberger erwartungsgemäß nochmals alles versuchten und den Druck erhöhten. Doch die Buchloer hielten weiter unbeeindruckt leidenschaftlich dagegen und mussten sich ärgern, dass man bei den Entlastungsangriffen nicht sogar schon das vermutlich vorentscheidende fünfte Tor machen konnte. Und so glichen die Oberpfälzer nach 50 Minuten durch den ehemaligen deutschen Nationalspieler Jaroslav Hafenrichter zum 4:4 aus. Wer aber nun dachte, die Partie würde jetzt wieder in die andere Richtung kippen, sah sich getäuscht. Denn auch in der Schlussphase präsentierten sich die Buchloer vor allem in den Special-Teams weiter hochkonzentriert. Erst schoss Lars Grözinger mit einem fulminanten Schuss in den Winkel die Buchloer in Überzahl wieder in Front (53.), ehe die Freibeuter dann in der Schlussphase in eigener Unterzahl mit Mann und Maus ihren hauchdünnen Vorsprung wacker verteidigten – stellenweise sogar in doppelter Unterzahl und bei gezogenem Torhüter der Hausherren mit drei Feldspielern weniger auf dem Eis. Und am Ende wurde dieser aufopferungsvolle Einsatz auch belohnt, denn die Piraten retten mit vereinten Kräften die 5:4 Führung ins Ziel, womit man nach zuletzt zwei Niederlagen am vergangenen Wochenende wieder einen Dreier einfahren konnte. Ein zufriedener Piraten-Coach Dominic Weis hob somit zu Recht die Mentalität seiner Jungs hervor, die am Sonntag im Heimspiel gegen die wiedererstarkten Devils Ulm/Neu-Ulm (17 Uhr/Live auf SpradeTV) natürlich an diese Leistung anknüpfen wollen.
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